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Merkel besucht Hinterbliebene des Germanwings-Unglücks

In ihrer gestrigen Ansprache in Haltern am See erwähnte die Bundeskanzlerin lobend die Trauerarbeit, die für Schüler und Schülerinnen ebendort stattfindet. Genau darauf reagierte auch einer der anwesenden Jugendlichen, der gegenüber Mechthild Schröter-Rupieper seine Antwort an Merkel so schilderte:

"Hallo Mechthild!
Gestern, als die Bundeskanzlerin bei uns war, hab ich lange nachgedacht, ob ich was sagen soll. Mir war es ein bisschen unwohl vor so vielen Leuten und dann auch noch vor so wichtigen Politikern zu sprechen, aber mir persönlich war es noch mal wichtig das mit der Trauerbegleitung anzusprechen. Die Kanzlerin hatte auch gefragt, wie es uns Jugendlichen mit der Situation geht. Ich habe ihr dann erzählt, dass wir Geschwisterkinder uns regelmäßig in einer sogenannten Trauergruppe treffen und uns mit dem Thema "Tod und sterben" dort auseinandersetzen. 
Ich habe ihr auch deutlich gemacht, dass viele den falschen Eindruck von Trauergruppen haben.
Dass dort nicht im Kreis gesessen und geweint wird, sondern dass wir da auch lachen und auch echt Spaß haben.
Und dass es uns wirklich hilft, besser mit unserer Trauer umzugehen und dass es tatsächlich gut tut, sich mit Jugendlichen, die auch Geschwisterkinder verloren haben, auszutauschen. 
Zum Schluss habe ich gesagt, dass solche Institutionen alle mehr gefördert werden sollten und dass es bei uns speziell für Lavia momentan schwer ist, an sichere Gelder heranzukommen. Dass es schwer ist, Mitarbeiter zu bezahlen, wenn keine Gelder dafür bereit gestellt werden."

Denn was der Kanzlerin sicher nicht bewusst war: Trauerarbeit wird in Deutschland und anderen europäischen Ländern nicht, noch nicht, staatlich unterstützt. Krankenkassen bezahlen für Kinder und Jugendliche Psychotherapeuten und Psychologen, von den sich etliche nicht mit "normaler oder erschwerter Trauer" auskennen und dadurch nicht gut oder fehlgehender werden. Hier sind Statements persönliche Betroffener gegenüber der Politik wichtig. 

Dass einige Politiker sich der Problemlage bewusst sind zeigt Bodo Klimpel, Bürgermeister der Stadt Haltern am See. Er weiß die professionelle Arbeit der Trauerbegleitung zu schätzen: "Bis heute haben wir sehr viel Anteilnahme erfahren, die uns – und insbesondere den Angehörigen – ein großer Trost war. Darüber hinaus gab es ganz praktische Hilfen, die den Angehörigen der Verunglückten geholfen haben, zu trauern und nicht zu verzweifeln. Zu diesen Hilfen gehört auch die Trauergruppenarbeit des Vereins Lavia e. V. bzw. des gleichnamigen Instituts für Familientrauerbegleitung aus Gelsenkirchen. Lavia e. V. leistet professionelle Hilfestellung, die die Trauernden dabei unterstützt, das Unfassbare besser zu begreifen und mit dem Wissen um das Geschehene weiterzuleben."


Bilder und Texte von Jugendlichen aus den Trauergruppen

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